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Kapitalismus und Referenz


Ich habe nichts gegen den Kapitalismus. Ich habe auch nichts gegen Superreiche. Die meisten Superreichen z.B. in Deutschland sind dadurch entstanden, dass sie es mit Geschick und den richtigen Ideen zum richtigen Zeitpunkt, als auch mit einer zumeist dynastiehaften Beharrlichkeit zu diesen Vermögen gebracht haben. Meist basieren diese Vermögen auf einzelnen herausragenden Persönlichkeiten, die den eigentlichen Grundstock dieser Dynastien gelegt haben. Und diese wurden und werden dann in der Regel von den Nachfahren dahingehend verwaltet und weiter geführt, indem sie auf Basis dieser Vermögen nun sukzessive und weiterhin die Kompetenz und Beharrlichkleit ankaufen, die sie benötigen, um diese Vermögen zu verwalten und zu vermehren. Auch übersieht man häufig das Risiko, das mit deratigen Unternehmungen verbunden ist. Und daher könnte man auch einfach sagen: Diese Leute haben es verdient; und dieses vorallem auch dann, wenn man bedenkt, dass sich das Ganze in einer Kultur abspielt, die nahezu einzig und allein in ihrer sozialen Referenz auf Verdienste und Belohnungen ausgerichtet ist.

Kapitalismus und Moral
Die häufigsten Einwände gegen den Kapitalismus sind moralischer Natur. Auffällig an dieses Einwänden ist zunächst, dass sie nicht aus der Riege der Suppereichen kommen, sondern zumeist von denen, die sich in diesem System als die Benachteiligten ansehen. Daher werden derartige Einwände auch oft unter der Rubrik "Neiddebatte" diffamiert und es ändert sich dadurch reichlich wenig. Generell sind moralische Argumente gegen den Kapitalismus zumeist blasse Erscheinungen. Sie speisen sich aus einem Gefühl der Ungerechtigkeit und Empörung und leben zumeist aus den damit verbundenen Affekten. Auch ist bemerkbar, dass sie leiser werden, sofern eine Person beginnt, an den zuvor angeprangerten kapitalistischen Strukturen zu partizipieren. So sind z.B. Gewerkschaften nichts anderes als solche Partizipations-Apparate, die in ihrer Agitation nahezu ausnahmslos moralische Argumente bemühen, um im Resultat an diesen Vermögen zu partizipieren. Ist ein solches Resultat dann vielversprechend, verstummen die moralischen Argumente nahezu vollständig, um bei den nächsten Tarifverhandlungen dann wieder aus der Mottenkiste geholt zu werden. So notwendig und richtig die Rolle der Gewerkschaften auch ist, so unangenehm ist es ihnen dabei zuzusehen. Moral hat und hatte schon immer zum Zweck die Aufwiegelung größerer Menschenmengen gegen einen gemeinsamen Feind. In der Regel wird hierbei dieser "gemeinsame Feind", z.B. eine Partei oder auch Nation, als "in seinen Absichten böse" dargestellt um eine entsprechende gruppendynamische Reaktion herbeizuführen. Moral ist und war niemals mehr, als ein Mittel zum Zweck. Bedenkt man beispielsweise, dass es der Moral der in den sowjetischen Raum vorrückenden deutschen Truppen diente, Partisanen mit Schildern dran an Bäumen aufzuhängen und dort hängen zu lassen, so wie es z.B. auch der Moral der freien Brigaden im spanischen Bürgerkrieg diente, Faschisten zu töten, dann offenbart sich doch zumindest im Ansatz etwas von dem, was man von Moral eigentlich halten sollte. Moral ist kein übergeordnetes mit Gewissen behaftetes Prinzip, das sich an ethisch sittlichen Verhaltenweisen orientiert und ausrichtet, sondern einzig und allein ein identitäres Gruppengebahren, das allein dem Zusammenhalt, der Ausrichtung und aber auch der Abrenzung der jeweiligen Gruppe gegen Andere dient. Daher dient sie den Armen um gegen die Reichen zu sein, so wie sie den Reichen dazu dient, gegen die Armen zu sein. Moral ist schäbig.

Kapitalismus und System
Die zumindest teilweise wirksamsten Einwände gegen den Kapitalismus sind systemischer Natur. Hier natürlich herausragend Karl Marx und Friedrich Engels. Da der Kapitalismus ein in sich selbst aufstaffelndes System der Ausbeutung darstellt, muß dieses System notwendig in Ermangelung noch Auszubeutender bzw. noch Ausbeutbarem implodieren. Tatsächlich tut es das ja auch regelmäßig und zwar mit dem Ergebnis, dass es danach noch viel mehr Ärmere gibt, wohingegen einige der Superreichen danach noch mal zigfach reicher sind. Der Mittelstand verarmt. Eine solche Bewegung ist z.B. in Europa seit den 80ziger Jahren zu verzeichnen. Weniger krasse Formulierungen sprechen dann von sog. Marktkonsolidierungen, womit im Kern gemeint ist, dass sich im Rahmen kapitalistischer Spekulationskultur sog. Spekulationsblasen bilden, die, nachdem sie dann geplatzt sind, ein wirklicheres Bild der Wirklichkeit abgeben. Daher wird hier auch häufig der Begriff der "Gesundung" bemüht, um dem Ganzen noch etwas Positives abzugewinnen. Zwar gibt es nach solchen Systemcrashs auch immer wieder Ansätze entsprechende Regulierungen einzuführen, die zu einer Abmilderung der Folgen solcher Crashs führen könnten, aber es kommt zu keiner grundsätzlichen Infragestellung des Systems an sich. Das mag daran liegen, weil es zu diesem System keine ernstzunehmenden Alternativen gibt. Dieses vorallem deswegen, da die Dynamik eines kapitalistischen Systems der Dymamik jedweder sozialistischen Systeme weit überlegen ist. Allerdings muß man hier der Fairness halber auch erwähnen, dass die in den letzten hundert Jahren zurückliegenden Versuche sozialistische Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen zu etablieren, sehr sehr mächtige Gegner hatten. Betrachtet man nur allein die Maßnahmen der USA gegen Kuba der letzten 50 Jahre dann bekommt man einen gelinden Eindruck dieses Gegenwinds, dem sich sozialistische Versuche überall auf der Welt von Anfang an ausgesetzt sahen. Aktuell ist das z.B. auch in Venezuela der Fall. Hinzu kam, dass die auf rein materialistischen Weltanschaungen basierenden Ordnungssysteme innerhalb solcher Staaten zumeist zu einer brutalen Verknöcherung der jeweiligen Parteiapparate mit einer entsprechenden Wirklichkeitsabkehr führten. Und gerade dieses scheint, bei genauerer Betrachtung, bereits in den Ansätzen zu einer solchen sozialistischen Gesellschaftsordnung begründet zu sein, wie sie Marx und Engels vorgenommen haben.

Die Marxsche Programmatik bestand, wie bekannt, darin, die von Hegel angewandte dialektische Methode, "vom Kopf auf die Füße" zu stellen. Daher spricht man bei Hegel auch von "Idealismus", während man bei Marx von "Materialismus" spricht. Der Kern dieser Programmatik bestand darin eine historisch objektive Analyse der Verhältnisse durchzuführen und ihre Entwicklung anhand gefundener Gesetzmäßgkeiten zu extrapolieren. Alles richtig und bewunderswert. Das Ergebnis ist beeindruckend. Allerdings krankt diese Analyse an genau dem, woran alle Analysen des neunzehnten und zwangisten Jahrhunderts kranken: Sie wollen objektiv sein, und zwar möglichst so objektiv wie die zu dieser Zeit mächtig boomenden Naturwissenschaften. Es sind zweierlei Paar Schuhe festzustellen, dass der Mensch nicht von Gott geschaffen wurde sondern evolutionär entstanden ist, und dem Versuch eine Gesellschaftsordnung zu entwickeln, die menschengemäß ist. Es mag völlig richtig erscheinen, davon auszugehen, dass ich, werfe ich unter den gegebenen Bedingungen einen Stein, dieser unter dem Einfluß der Gravitation eine parabolische Flugbahn beschreiben wird, während es eben keinesfalls als ausgemacht erscheint, dass ein Mensch, wenn ich ihm nur außreichend einbleue, dass das Prinzip der Gesellschaft auf einem gemeinsamen "Emporwachsen" besteht, danach eine sozialistische Flugbahn beschreiben wird. Sein und Bewußtsein verhalten sich bei Marx objektiv zueinander. Tatsächlich verhalten sich Sein und Bewußtsein des Menschen aber subjektiv zuneinander, da das Sein bzw. das Bewußtsein für einen Menschen nur subjektiv und nicht objektiv erfahrbar ist. Es gibt kein Bewußtsein in einem "übermenschlichen" Sinne und daher gibt es auch kein objektiv extrapolierbareres Ich im Sinne einer zukünftigen sozialistischen Gesellschaft. Und dabei ist der Gedanke ja relativ einfach: Wir denken alles einfach ein bißchen anders und schon leben wir in einer anderen Gesellschaft. Blöd nur, dass Menschen ziemlich eigenwillig sind und dazu neigen sich alogisch zu verhalten. Das marxsche Menschenbild ist nicht korrekt. Es ist im Grunde ein, wenn auch logisches, Ergebnis seiner eigenen Programmatik, mit der er das Ganze "vom Kopf auf die Füße" stellen wollte. Mit der entschiedenen Abkehr vom Idealismus hat er weite Teile des Menschen einfach ausgesperrt, so z.B. den, dass der Mensch notwendig interpretieren muss, um überhaupt ein Bild von seiner Umwelt zu erlangen; oder den, dass ein Mensch notwendig einen religiösen Überbau phantasieren muß, um das Gefühl eines sinnvollen Ganzen zu haben, da er ansonsten nur die Linearität von Zweckbildungen hätte um einen sinnadäquaten Eindruck zu bekommen. Daher macht es auch überhaupt keinen Spaß Sozialist zu sein und der im Sozialismus erwirtschaftete Mehrwert löst sich auch sogleich in tausend Teile auf und zerfließt in den Refugien einer alles umfassenden "großen sozialistischen Idee". Hätte Marx auch nur ansatzweise den Referenzcharackter seiner eigenen schriftstellerisch-philosohischen Arbeiten im Blick gehabt, und also den Fetischcharackter seines durch ihn geschriebenen Werks für ihn selbst, wie auch überhaupt den Fetischcharackter der Idee einer "neuen, gerechteren Gesellschaft", dann hätte er sicherlich gemerkt, dass der, wie immer wieder betont, dem Menschen eigene Eigentumsegoismus keine durch eine Aufklärung bzw. Umerziehung ausmerzbare Fehlhaltung des Menschen darstellt, sondern eine diesen notwendig konstituierende. Menschen brauchen Eigentum und wo immer sie es nicht bekommen können, da phantasieren sie es sich herbei in Form von Wünschen. Und der Grund dafür ist denkbar einfach: Ohne Objekt kein Bewußtsein. Es gibt kein Bewußtsein jenseits der Objekte. Beraubt man den Menschen der Objekte, dann beraubt man ihn seines Bewußtseins. Und genau das verkörpert die sozialistische Idee: Ein pseudo-evolutionärer Plan zum Diebstahl am Menschen mit den Folgen einer grandiosen Bewußtseinsdämmerung aller. Und daher haben sozialistische Planwirtschaften auch keine Dynamik, während die Dynamik des Kapitalismus vorallem eine Dynamik der Wünsche ist. Es ist falsch anzunehmen, dass der Kernbegriff innerhalb von Gesellschaften der Eigentumsbegriff ist. Eigentum ist gar nichts ohne Rezeption. Und genau diese Rezeption ist es aber, aus der die Bedeutung entsteht, der die Menschen in ihrer jeweils eigenen Art im Beisein eines zumeist individuell geformten Versprechens folgen. Das Versprechen allerdings ist sozialer Natur und bildet den Kern allen Unrechts.
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