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Egomanie



Ich bin der, der dieses schreibt. Wenn ich ich sage, meine ich mich. Auf gleiche Weise sprechen auch die Anderen von sich selbst als Ich. Wenn diese Ich sagen, dann meinen sie damit sich selbst. Dieses Ich ist in einer jeden Sprache selbsverständlich angelegt. Es dient der Unterscheidung von Personen. Es ist in erster Linie eine physische Unterscheidung im Rahmen verschiedener Subjekte. Da diese Subjekte aber umfangreich begabt sind und zudem eine kaum eruierbare Anzahl an Eigenschaften aufweisen, werden diese Eigenschaften zumeist zum Ich als dazugehörig angesehen. Erst hierdurch wird das, was man Ich nennt, zu etwas komplexen und kaum fassbaren: Es wird zur Frage nach dem eigenen originären Selbst.

Egomanische Menschen erkennt man zumeist daran, dass sie eine starke Ich-Bezogenheit aufweisen. Egomanische Menschen drängen sich in sozialen Gruppen in den Vordergrund und versuchen immer im Mittelpunkt zu stehen. Halten sie sich hingegen von sozialen Gruppen fern, dann zeigt sich diese egomaische Haltung zumeist darin, dass all ihr Denken und Handeln fast ausnahmslos um ihre Person kreist. Künstler sind häufig solche Naturen. Betrachtet man nun die Egomanie in ihrer habituellen Erscheinungsform, so fällt auf, dass eine Egomanie sehr anstrengend zu sein scheint. Menschen, die man als Egomanen bezeichnen könnte, sind rastlos. Sie wirken getrieben und stets beunruhigt, und es erscheint, als sei ihre Haltung eine nicht abreisende Reaktion auf etwas Nicht-Einlösbares. Egomanie ist Panik.

Geht man nun wiederum von obigen Ich aus und nimmt es zunächst wiederum nur als eine sprachlich-funktionale Unterscheidung zwischen Subjekten, dann bin ich als physische Erscheinung eine Person, die einen mit keiner anderen Person teilbaren physischen Raum einnimmt. Aufgrund dieses rein materiellen Physis-Verbunds, den ich darstelle, ergeben sich selbstredend sogleich eine ganze Summe von Erfahrungen. Die einfachste davon ist die der möglichen Kollision physischer Körper, auf die ich tagtäglich selbtredend zu reagieren habe. Mein bloßes physisches und in klaren Grenzen gesetztes in der Welt sein erzeugt in mir den Eindruck einer immerwährenden Unterscheidbarkeit zwischen mir und meiner Umwelt, zwischen mir und den Anderen.

Eine weitere als selbstverständlich aus diesem meinen Ich hervorgende niemals abreißende Erfahrung ist die, dass ich ein lebender Organismus bin, um den ich Sorge zu tragen habe. Komme ich dieser Sorge nicht nach, dann erleide ich Schmerzen oder ich riskiere sogar das Ende dessen, was ich hier als Ich bezeichne.
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Ich muß regelmäßg atmen, regelmäßg etwas trinken, regelmäßig etwas essen und in gewissen Abständen schlafen. Unterlasse ich auch nur eine dieser Tätigkeiten über einen gewissen Zeitraum, dann sterbe ich und mit diesem Ich stirbt auch das, was ich Ich nenne.

Daraus ergeben sich also zwei Grundsätzlichkeiten mein Ich betreffed: Immerwährende Unterscheidbarkeit und Schmerzen oder Lebensverlust, sofern ich bestimmte Dinge unterlasse. Ich kann aber auch Freude empfinden.

Bleibe ich nun bei diesen beiden Basics und begebe mich auf die Ebene meines Bewußtseins, so ergeben sich daraus wiederum einige Aussagen mein Ich betreffend:Zunächst würde sich mir diese Frage nach mir selbst bzw. nach meinem Ich ohne ein solches Bewußtsein gar nicht stellen. Um diese Frage nach meinem Ich nämlich überhaupt stellen zu können, muß mein Bewußtsein
1. Etwas von meiner Physis unterscheidbares sein, und
2. die immerwährende Unterscheidbarkeit zwischen mir und meiner Umwelt in bewußter Form bereits realisiert und präsent haben.
Weiterhin grundsätzlich für mein Bewußtsein ist die lebensbegleitende Erfahrung, dass ich Gedanken, Bilder und Gefühle hegen kann, die nicht mit denen Anderer identisch sind und die sich zudem vor Anderen verbergen lassen. Ebenso die wahrnehmbare Tatsache, dass ich, um überhaupt etwas bewußt wahrnehmen zu können, Unterschiede benötige, anhand derer ich Abgrenzungen und Übergänge unterscheiden kann.

Und was mein Bewußtsein nun macht, ist, abgrenzbare Unterscheidbarkeiten zueinander in Beziehung zu setzen.

Somit ist Bewußtsein ohne Unterscheidung nicht möglich, und zwar genauso wenig, wie mein physisches Ich ohne meine physische Unterscheidbarkeit bzw. Abgrenzung zu Anderen und Anderem möglich wäre.

Und das kommt dadurch, weil sich das Bewußtsein in all seinen Eigenschaften physis-analog verhält.

So ließen sich aus diesem einfachen Gedankengang schon ein paar simple Aussagen über das Bewußtsein treffen:
1. Das Bewußtsein kann nichts verdrängen, da auch der Körper nichts verdrängen kann.
2. Das Bewußtsein kann nichts vergessen, da auch der Körper nichts vergißt.
3. Das Bewußtsein repräsentiert eine lebenslang anwachsende Geschichte, so wie auch der Körper eine lebenslang anwachsende Geschichte repräsentiert.
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