impleage 0504312
- 0504312 -

Schreiben und Hemmung


(c) Andrasch Migar, 2015

Hat sich nun jemand aus welchen Gründen auch immer dazu entschlossen Texte zu schreiben, so ergeben sich daraus eine ganze Menge Problematiken. Dies sind Problematiken, die jemand, der sich nicht entschlossen hat zu schreiben, so nicht kennt. Dieses Prinzip ist allerdings auf alle Tätigkeiten anwendbar: Es ist ganz gleich was man tut: Das Ergebnis werden Schwierigkeiten sein. Nun gibt es beiweitem Wichtigeres, als über Schwierigkeiten beim Schreiben nachzudenken. Schreiben ist nicht notwendig. Weder ernährt es irgend jemanden noch kann man es sich anziehen, wenn es draußen kälter wird. Jemand, der schreibt, wird das sicherlich anders sehen. Denn häufig ist das Schreiben für die, die schreiben, äußerst notwendig.

Doch auch dieses läßt sich auf alle anderen Tätigkeiten, die in keine unmittelbar lebenserhaltenden Zweckmäßigkeiten eingebettet sind, mühelos ausweiten. Und dennoch kommt es zu diesen Tätigkeiten und dennoch werden sie bemüht. Und dieses wiederum legt den Verdacht nah, so es sich hier doch um ein ungleich viel größeres Spektrum an Tätigkeiten handelt, dass es hier nicht um die Tätigkeit als eine spezielle -also hier das Schreiben- sondern dass es hier ganz allgemein ums Tun als Solches geht.

Nun hat sich im Zusammenhang zivilisatorischer Entwicklung das Ökonomische bereits so deutlich herausgebildet, dass dieses gleichzusetzen ist mit Existenz. Denn dieses Ökonomische steht für Essen oder nicht, für Leben oder nicht. Und daher ist es schon seit Langem als selbstverständlich anzusehen, dass das meiste Tun der Menschen einzig hin auf dieses Ökonomische geht. Dieses Ökonomische läßt sich dahingehend charakterisieren, dass in ihm nur ein einziges Prinzip gilt: Angebot und Nachfrage - oder umgekehrt - Nachfrage und Angebot.

Und dieses, so banal es klingt, reguliert nicht nur alle ökonomischen Prozesse, sondern es bringt sie überhaupt erst hervor. Bleibt man in diesem Zusammenhang nun wiederum im Bereich existenzerhaltender Güter, so wird man feststellen, daß sich diese einer gleichbleibend großen Nachfrage erfreuen, weil die Menschen oder Lebewesen leben wollen und weil das ohne diese Güter nicht geht. Bildet man nun aber und unter gleichbleibender Berücksichtigung dieses Prinzips einen quasi dazu extrem anders liegenden Fall, in dem z.B. ein Bild von Picasso auf einer Versteigerung für mehrere hundert Million Dollar den Eigentümer wechselt, dann kann man nicht umhin, feststellen zu müssen, daß es sich hierbei dennoch um das exakt gleiche Prinzip handelt: Ein Bild wird angeboten, für das es eine Nachfrage gibt. Ein Sammler oder Spekulant will dieses Bild und die Folge dessen ist dessen Notwendigkeit.

Betrachtet man nun diese hier über einen Kamm gescherte Notwendigkeit, dann wird man wiederum feststellen müssen: Notwendigkeit ist Folge eines Wollens und kein Naturprinzip. Ist kein Wille da, dann existiert sie nicht; ist hingegen einer da, dann entspringt daraus fast automatisch schon Notwendigkeit. Ob diese nun, wie im letzteren Fall eine ist, die man Ernst nehmen sollte, ist eine andere Diskussion. Aber ich bezweifle, dass es jemanden geben wird, der ein Notwendigkeitskonzept entwerfen kann, ohne dafür bereits eine willentliche Zielvorgabe voraussetzen zu müssen. Und auch hier bezeichnet sich das gleiche Prinzip: Will ich ein Notwendigkeitskonzept entwerfen, dann entsteht als Folge dieses Wollens alsgleich dieses "Muss".

Und somit läßt sich bis hier auch feststellen: Wir sind diejenigen, die diese Notwendigkeiten erzeugen - und zwar im Rahmen dessen, was wir wollen. Und aus der Ausgestaltung dieser Erzeugung entspringt fast ebenso automatisch dajenige, was wir unter Wert oder Nicht-Wert verstehen. Denn der Wert von etwas (oder jemandem) rekrutiert sich einzig aus der Nachfrage nach diesem etwas (oder diesem Jemanden). Besteht keine Nachfrage, dann ist dieses etwas (oder dieser Jemand) wertlos.

Gleiches gilt für das Tun und die an dieses Tun angehängte Leistung. Tut jemand etwas, das nachgefragt wird, dann erbringt dieser Jemand im Rahmen seines Tuns eine Leistung. Ob es sich also beim Tun eines Menschen um eine Leistung handelt oder nicht, wird komplett vom Markt -und also wiederum über das Angebots- und Nachfrage-Prinzip - bestimmt. Zwar möchte man meinen, daß Leistungsanschauungen etwas mit Fähigkeiten zu tun hätten, aber dem ist nicht so. Denn dieser Fähigkeiten gibt es ungeahnt viele, aber die meisten werden gar nicht nachgefragt, da sie nicht im Spektrum gegenwärtigen Wollens und somit auch nicht im Spektrum gegenwärtiger Notwendigkeiten liegen.

Anders wiederum, wenn diese Fähigkeiten in ein solches Spektrum fallen: Beipielsweise im Fußball. Fußball ist ein nachgefragter Sport und die Vergütungen entsprechender Spitzenspieler resultieren entsprechend daraus, wohingegen andere Leistungssportarten ihre Leistungssportler nicht ernähren, da diese nicht nachgefragt sind. Und dieses Prinzip durchdringt alle Schichten gesellschaftlichen Seins, sodaß es nicht verwundert, dass z.B. das Thema sozialer Attraktivität exakt diesem Muster folgt. Was wir z.B. unter sog. "inneren Werten" verstehen, sind nichts anderes als Nachfrageprodukte, deren dauerhafter Wert darin besteht, angeblicher Konstrast zu dem zu sein, was ansonsten ist. So wird zwar von den sog. "inneren Werten" gesprochen, kommt es aber zur Entscheidung, so fällt die Wahl in aller Regel nicht auf sie.

Fragt man sich aber nun, wo hier die Gemeinsamkeiten liegen, dann wird man bemerken können, dass es sich hier ausnahmslos um Vorgänge innerhalb sozialer Räume handelt. Der Handel, die Ökonomie, ja selbst die Handlung innerhalb eines Textes oder Films, finden in sozialen Räumen statt. Wo kein sozialer Raum existiert, da gibt es weder einen Markt noch eine Handlung. Denn selbst die Handlung bedarf, obgleich faktischer Natur, eines außerhalb ihr stehenden Beobachters, der das Stattfindende überhaupt erst zu dem zusammenfügt, was man Handlung nennt.

Und dieses meint: Die allermeisten Kategorien, mit denen wir quasi selbstverständlich innerhalb des sozialen Raum operieren, sind soziale Kategorien, die außerhalb eines solchen Raums in dieser Form überhaupt nicht existieren. Demgemäß kann man nun weiterhin behaupten, dass die Geschichte der Zivilisation nichts anderes beschreibt, als die zunehmende Ausgestaltung dessen, was man also einen sozialen Raum bzw. üblicher: eine Gesellschaft nennt.

Alle Kategorien, so z.B. die Kategorie der Freiheit, der Gerechtigkeit, des Sinns usw. sind Kategorien sozialer Natur. Diese werden im Rahmen einer Gesellschaft verhandelt, und -was wichtiger ist:
Sie werden GEHANDELT.

So erfreuen sich z.B. kommunistische Ideen zur Zeit einer geringeren, anarchistische einer zunehmenden, kapitalistische einer gleichbleibend hohen Nachfrage usw. Und was sich davon am Ende durchsetzt, wird einzig die Folge einer entsprechenden Nachfrageverteilung sein.

Nimmt man aber nun die weiter oben aufgestellte Behauptung, dass die Nachfrage lediglich als Konsequenz einer durch ein Wollen generierten Notwendigkeit anzusehen ist, und ergänzt diese weiterhin durch die letztere Behauptung, dass dieses ausschließlich innerhalb eines sozialen Raums stattfindet, dann liegt die Vermutung nahe, dass das Wollen, von dem hier die Rede ist, alsauch die automatische Notwendigkeit, die aus diesem Wollen resultiert, einzig nicht nur etwas Soziales verfolgt, sondern darüber hinaus auch einzig etwas Soziales zum Ziel hat.

Und dieses meint: Was hier verhandelt und gehandelt, angeboten und u.U. auch nachgefragt wird, das ist nicht nur sozial, sondern das ist bereits ein Verhandeln und Handeln der sozialen Nachfrage selbst.

Ein deutlicher Ausdruck dessen fände sich zum Beispiel im Börsengeschehen oder auch in den sog. Ratingagenturen. Nähme man z.B. nun den einfachsten Fall, dass ein Börsenhändler, der also einen Handel im Rahmen einer möglicherweise zu erwartenden Nachfrage betreibt, für dieses sein Handeln nichts bekäme, das sich sozial auch nur irgendwie gebrauchen ließe, dann kann man wohl davon ausgehen, daß dieser Börsenhändler sehr schnell kein solcher mehr würde sein wollen. Denn ein Börsenhändler verdient durch seinen Handel Geld und Geld erfreut sich im sozialen Raum einer großen Nachfrage.

Nähme man nun einen wiederum ganz abseitigen anders gearteten Fall, daß z.B. Jemand einen Partner sucht, so wird dieser jemand nicht nur dorthin gehen, wo man eventuell einen solchen Partner -und also ein Angebot- finden kann, sondern er wird in diesem Sinne auch versuchen, eine entsprechende Nachfrage für seine Person zu generieren. Auch hier das gleiche Prinzip: Etwas wird gewollt, daraus entsteht ein Muss, und der Erfolg oder Mißerfolg dessen orientiert sich auschließlich am jeweiligen Sozialgehalt des Resultats.

Und ob ein solcher Vorgang -und in welchen sozialen Regionen auch immer- nun glückt oder nicht glückt, damit ließen sich unzählige Biographien ausgestalten. Denn tatsächlich sind Biographien, wenn man sie liest, nichts anderes als das. Sie erzählen in aller Regel die Geschichte, wie ein Mensch im Rahmen seines Lebens zu einem offenkundig nachgefragten Menschen wurde. Sie dienen uns allen zum Vorbild und geben damit auch die Matrix dessen vor, was wir unter Sinn verstehen.

Und so nimmt es aber auch nicht Wunder, dass auch Letzterer -der Sinn- nun also ebenso gehandelt wird: So besteht auch hier eine Nachfrage nach Sinn, dem ein gewisses Angebot an Sinn nun gegenübersteht. Und wir, wir wählen aus, oder -wenn wir ganz verwegen sind - dann bieten wir eventuell sogar gleich einen Neuen an. Ob dieser Sinn dann allerdings einen Sinn macht, das wird wiederum einzig und allein dadurch entschieden, ob er nun nachgefragt wird oder nicht. Und daher werben z.B. die meisten Religionen nachhaltig für ihre Sinnkonzepte, denn die alleinige Nachfrage nach diesen garantiert ihnen überhaupt nur die Sinnhaftigkeit dieser, denn ansonsten würden sie bald ihren Glauben verlieren.

Und so erfreut sich also auch der Glaube eines schwunghaften Handels, denn nichts wird nachhaltiger zwischen Menschen kommuniziert, als der Glaube warum oder wieso dieses und jenes so sei und nicht anders. Trifft man somit nun z.B. einen Menschen, dessen Glaube etwas z.B. irgendwie Unangenehmes hat, so wird man beobachten können, wie sich dieser Mensch alsbald keiner Nachfrage mehr nach seiner Person wird erfreuen können. Und damit aber wirft man ihn hinaus, aus dem sozialen Raum. Und dieses geschieht wie mit jedem anderen Produkt aus der Warenwelt, für das es keine Nachfrage mehr gibt.

Komme ich hier also nun auf die hier anfangs angesprochenenen Problematiken zurück, die also entstehen, wenn man sich entschieden hat Texte zu schreiben, so wird sich hier behaupten lassen, dass also ein Mensch, der so etwas macht oder versucht, sich damit keinen Deut weit aus diesen Prinzipien -und wie oft behauptet wird- verabschiedet, sondern sich im Gegenteil geradezu mitten in sie hineinbegibt und dieses oftmals gar nicht merkt.

Denn wenn man also vor einem leeren Blatt Papier sitzt und diesen ominösen Willen mit den daraus resultierenden Notwendigkeiten in sich generiert hat, dann kann es u.U. passieren, dass man sich also die Frage stellt, über was man jetzt eigentlich schreiben will. Und dass sich im Zusammenhang dieser Frage Folgefragen ergeben können, die nahezu das ganze Fragenspektrum überhaupt nur möglicher Fragen umfassen können, das läßt sich einfach denken. Sicherlich kann man auch einfach nur losschreiben und das ist ein Vorgang, der auch häufig praktiziert wird. Ebenso muß man sich das dann hinterher auch nicht mehr durchlesen, und auch dieses wird vermutlich häufig praktiziert.

Zumeist aber ist das anders: Denn vorallem das Letztere -also das Durchlesen dessen, was man geschrieben hat- wird damit zum Gegenstand der Betrachtung und der Beurteilung. Und also im Einfachsten: Ob man das mag, was man geschrieben hat oder nicht.

Und obgleich man nun meint, dass hier ein und die selbe Person also einen Text geschrieben und ihn dann durchgelesen hat, so stimmt das eben nur bedingt. Denn während der Text gewissermaßen stehenbleibt, so verändert sich die Person, die ihn liest, nahezu ständig. So ist es beispielsweise schlicht unmöglich einen Text zweimal hintereinander in der Unkenntnis des ersten Mals zu lesen. Auch kann man einen Text verschieden lesen, sodaß hier beispielsweise somit auch der Eindruck entstehen kann, sich gar nicht mehr vollständig darüber sicher sein zu können, was man da geschrieben hat. Und so ist es nicht unüblich, dass z.B. einer einen Text schreibt, denn er bereits kurz danach geradezu zum Kotzen findet, um ihn dann 2 Jahre später aus unerfindlichen Gründen plötzlich zu mögen und für wichtig zu erklären.

Um diesen Vorgang zu verstehen, ist es sinnvoller hier von zwei Personen auszugehen: Der Person, die den Text schreibt, und die Person, die den Text dann liest. Denn obgleich das merkwürdig klingt, so entspricht es aber der Realität. Denn tatsächlich sind bei diesem Vorgang zwei durchaus verschiedene Aspekte einer Person gefordert, die sehr weit auseinanderliegen können. Unterstützt wird das zudem durch den vormalig erwähnten zeitlichen Abstand, der oftmal zwischen diesen Tätigkeiten liegt. Ebenso ist es nun sinnvoll von zwei Personen auszugehen, wenn man -wie ich hier- auf den sozialen Raum hinaus will, der nämlich hier bereits gegeben ist.

Denn obgleich man meint, daß hier jemand nur mit sich selbst und damit außerhalb eines solchen Raumes sei, so ist dem nicht so. Denn jede Form der Herstellung eines Produkt aus welcher Tätigkeit auch immer unterliegt den Gegebenheiten der Nachfrage, und sei es hier auch nur die Nachfrage des Autors nach seinen eigenen Texten.

So ist es zum Beispiel möglich als Autor einen Text nachzufragen, der noch gar nicht existiert; und umgekehrt einen zu schreiben und damit anzubieten, der vom Autor aber niemals wieder nachgefragt wird.

Und dieser -nennen wir ihn selbstreferentielle- Prozess mit allen daraus entstehenden Konsequenzen, der gleicht frappierend dem sozialen Raum, der um ihn ist. Und daher sind die Absichten eines Schreibenden sozialer Natur und eben wiederum nur solcher. Denn eine der Konsequenzen seiner Tätigkeit, bzw. seiner Texte, entscheidet z.B. wiederum vermittels der Nachfrage über den Wert oder den Nicht-Wert dieser Texte, selbst wenn die in diesem Vorgang alles entscheidende Nachfrage lediglich eine selbstreferentielle ist.

Eine weitere Gegebenheit, die ebenfalls für die These des sozialen Raums innerhalb eines Autors bzw. einer Autorin spricht, ist die bereits bekannte des sog. Adressaten bzw. des sog. Modellesers. Diese These stützt sich darauf, daß Sprache, sei es nun gesprochene oder aufgeschriebene Sprache, immer einen Adressatcharakter haben muß, selbst wenn ein Sprechender nur -und sei es auch auf dem Papier- mit sich selbst spricht.

Ein Sprechender spricht zu sich selbst oder ein Schreibender schreibt an eine -und sei es auch fiktive- Leserschaft. Wie man es nun aber auch nimmt, so wird man bemerken können, daß es hier in beiden Ansätzen offenbar um die Ausgestaltung eines Verhältnisses geht: Das Verhältnis des Autors zu seinen eigenen Texten oder auch: Über was und auf welche Art jemand mit sich selbst oder auch zu anderen spricht. Und dieses meint wiederum vereinfacht also die soziale Umgangsform.

Und daher finden sich in aller Art von Texten, alsauch im Verhältnis, wie z.B. jemand mit sich selbst spricht, eben genau das gleiche Angebot sozialer Umgangsformen wieder, innerhalb derer sich ein solcher Mensch bewegt. Und das Gleiche gilt hier wiederum für die Nachfrage dieser, alsauch für die daraus resultieren Konsequenzen, die über Wert und Nicht-Wert, Leistung oder Nicht-Leistung entscheiden. Und da dieses gewissermaßen selbstredend so ist, muß man das nicht wissen, um sich dennoch danach zu verhalten.

Man schreibt über etwas, von dem man meint es sei wichtig - und man wählt einen Ton dafür, von dem man meint, daß er andere erreichen könnte oder sie zumindest nicht sofort abstößt. Um das Interesse weiterhin zu erhöhen, wählt man dramaturgische Aufbauten, die neugierig machen sollen oder die eventuell spannend sein könnten.

Vereinfacht man dies nun wiederum, indem man es wiederum im selbstreferentiellen Sozialraum betrachtet, so wird man nicht umhinkommen, feststellen zu müssen, daß es sich hierbei nicht nur um eine möglichst spannend ausgestaltete Umgangsform mit sich selbst, sondern darüber hinaus auch um eine durchaus existenzielle Verhandlung des eigenen Werts oder Nicht-Werts, alsauch dem der Einschätzung eigener Leistung handelt.

Und daher nimmt es auch nicht Wunder, daß es im Laufe der Literaturgeschichte viele Menschen gegeben hat, die Suizid begangen haben, da diese zu einer entsprechend negativen Einschätzung ihrer Person im Rahmen ihres innerpersonellen Sozialraums gelangten. Denn ein Suizid ist das Ergebnis eines Sozialraums, wie man weiß. Und daher ist der Suizid auch so schrecklich, denn jeder Suizid ist unsere Schuld.

Komme ich davon nun wieder weg und zum eigentliche Thema dieser Erörterung: Schreiben und Hemmung. Hat sich nun bis hier gezeigt, dass Schreiben also innerhalb eines Sozialraums stattfindet, der in ebensolcher Form auch innerpersonell vorhanden ist, so gibt es in diesem -und ebenso analog zum äußeren Sozialraum- das Phänomen der Hemmung.

Und dieses Phänomen der Hemmung, man nennt es häufig auch einfach Schreibblockade- ist für jemanden, der schreibt bzw. schreiben will, geradezu furchtbar. Denn ist hier doch ein Wille völlig lahmgelegt. Nun gibt es ungemein viele Strategien, einen solchenmaßen lahmgelegten Willen wieder in Gang zu bringen, aber um diese geht es mir hier nicht. Mich interessiert die Hemmung. Denn die Gründe dieser Hemmung haben etwas weitaus Größeres, als das ansich lächerlich wirkende Problem im Rahmen einer Schreibblockade, selbst wenn diese, für die Person, die von ihr befallen wird, eine u.U. schlimme Tragik darstellen kann.

Nimmt man aber den verhältnismäßig kleinen Teil derer, die schreiben, dann steht diesen ein verhältnismäßig viel größer Teil an Menschen gegenüber, die diese Hemmung dauernd erleiden, auch wenn sie keine Schreibenden sind. Denn es handelt sich hier um eine Hemmung im sozialen Raum, die im großen Stil über Wert und Nicht-Wert, Leistung oder Nicht-Leistung und damit über das Leben bzw. die Lebensqualität Unzähliger entscheidet.

Spreche ich hier also von Hemmung in einem negativen Impetus, so legt dieses alsgleich den Verdacht nahe, dass es mir hier also um eine Enthemmung im bzw. des sozialen Raums ginge. Nichts liegt mir ferner. Denn die Enthemmung, die ich hier meine, ist keine eines wie auch immer übergriffigen Verhaltens gegen Andere, sondern einzig eine der sozialen Relevanz.

Denn ich halte diese soziale Relevanz für nahezu vollständig gehemmt und ich meine in dieser Hemmung die Ursachen für diese schrecklichen, ja unerträglichen Dinge zu sehen, die ständig passieren.

Je gestörter diese Relevanz, desto auffälliger die Schreibblockaden derer, die schreiben wollen.


X

Aktuelle impleage:

impleage
impleage 0000001
impleage 0002028
impleage 0123578
impleage 0178510
impleage 0228057
impleage 0234171
impleage 0242480
impleage 0254077
impleage 0264471
impleage 0278629
impleage 0299586
impleage 0317515
impleage 0325195
impleage 0369296
impleage 0399151
impleage 0403133
impleage 0427026
impleage 0445972
impleage 0451682
impleage 0488799
impleage 0504312
impleage 0536495
impleage 0552354
impleage 0561300
impleage 0568888
impleage 0578167
impleage 0584685
impleage 0602226
impleage 0605404
impleage 0614835
impleage 0683849
impleage 0687003
impleage 0692294
impleage 0705122
impleage 0737745
impleage 0814444
impleage 0884540
impleage 0892570
impleage 0894379
impleage 0953577
impleage 0969648
impleage 0977866
impleage 0983971