impleage 0348143
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Auflistung der Mängel eines Mitbürgers mit Migrationshintergrund* vom 5.1.-6.1.2020 ©Hussam Naggar  
 
* Definition bamf.de abgerufen 20 Okt. 2019: Zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund zählen alle Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzen oder die mindestens ein Elternteil haben, auf das dies zutrifft.  

-Defizite an Worten, um amorphen Mangelzustand beschreiben zu können  
-kontinuierliche Verzweiflung weist in eine Zukunft, welche extrapoliert schon brach liegt  
-vergangenes Aufkommen an Enttäuschungen stellt mich an einen Abgrund  
-eine physische Drastik, in sich different, ist sich selbst abstoßend, ein Widerpaart, verschlossen, der sich niemanden öffnen kann
-wer hat, dem wird gegeben, wer nicht hat, dem wird auch das genommen  
-profane Aufzählungen begleiten eine ersehnte Einsturzgefahr  
-ich mache mir nach all der Liebessuche keine Vorwürfe - auch nicht den anderen Menschen 
-als schlage ich rhythmisch in die ähnliche Kerbe 
-der amorphe Mangelzustand hebt und drängt sich zeitigend in Sprache, in eine beschreibbare, getreppte Niederung, das könnte auf ein Erreichen einer maximalen Fallgeschwindigkeit hinführen, das Wort Schweben fällt mir ein, dabei stolpere ich 
-ich sitze hier in einem Café, beim Absetzen vom Schreibvorgang äugle ich unwillkürlich neugierig die sich wendig unterhaltende Bedienung 
-ich sollte mich mit der Mängelliste tiefergehend beschäftigen und mich nicht ablenken lassen 
-ich stelle einen Antrieb fest 
-treibende Wortsprossen suggerieren mir die Vorstellung, dass sie sich mit einander reiben – das lässt mich kalt zurück 
-mein Verstehen durchschaue ich als paarig 
-spiegelnd im Ungewissen bin ich nicht verlegen 
-mich resignierend selbst bemitleiden nützt niemanden, diese Feststellung verortet mich in besagter Kerbe 
-Reentry, Masochismus 
-von einem Grund kann ich meine Sprache in Angriff nehmen -ich schätze, dass es zwei Grad Celsius ist, 10 Uhr 10, eine durchscheinende Sonne wärmt minimal meine Gesichtshaut, meine linke, das Blatt Papier haltende Hand ist fast steif und spürt sich klamm und taub an 
-ich hätte die Möglichkeit umsonst zu lächeln, verweigere mich diesem Zug und wende mich meiner Autokommunikation hin 
-fokussiere mit meiner Aufmerksamkeit die Kälte-Stiche meiner linken Hand; die Rechte, die das Niederschreiben ausführt ist warm und tut nicht weh 
-ich sehne mich nach einem Clown 
-unsicher, was ich vollziehe – eine Art Reihung, ohne erbauliche Weisung 
-langsam schließe ich es nicht mehr aus, dass meine Inbetrachtnahme und Ausformulierung, diese Beschreibungen einer profunden Selbsterniedrigung die Richtung in eine zumindest ungeklärte Zukunft weist 
-Zweifel über die sich reibenden Sprossenwörter 
-Aufhebung 
-die Bedienung lächelt mich kurz an, während sie mir meinen Cappuccino auf meinen Tisch stellt, ich lächle, wie angeboren zurück, mit ihrem Gesicht zu mir gewendet sagt sie mit flotter, hoher Stimme: „Ein Cappuccino für Dich!“ Ich hatte für einen Bruchteil einer Sekunde die Gewissheit, als teilten wir einen Stich von unbekümmert einfallenden Frohsinn 
-zurück zur Mängelliste – treibe wieder ins Schwammige, in irgendeine Fehlerfahndung in mir 
-Rekursivität stärkt den Rücken, da ich beharrlich bei einer Sache bleibe, wie es sich üblich einer deutschen Selbstverpflichtung gehört, verlässlich, wie seine erbauten Maschinen 
-ich atme und welch Wunder, dass sich das von alleine versteht 
-nach Jurij M. Lotman gestaltet sich der Vorgang des Verstehens in einem paarigen Erfassen, eine Spiegelung und eine Art Rückkopplung von Diskretem, Segmentiertem mit oder gegen Kontinuierlichem - ein Abgleich 
-mittlerweile habe ich die vorgängigen Bleistiftnotizen auf das Schreibprogramm des PC´s übertragen, und befinde mich in meiner warmen Einzimmerwohnung 
-erinnere mich an N., die mir vor circa einem halben Jahr spielend eine Schwäche demonstrierte, die ich objektivierend ihr genommen habe - sie meinte aber das Andere, was mir erst viel später einfiel und mich mit unter die Mängelliste fortführen lässt 
-tiefsinnig breite ich mich in einer depressiven Verstimmung aus, wie ich C. verstanden habe gehört derart Authentisches ins Tagebuch 
-ich reiße mich für die Öffentlichkeit nicht zusammen und künde von einem überspannten Antagonismus, von Bach bis KZ, himmelhochjauchzend zu Tode betrübt, das Selbstverständnis der neuerdings bezeichneten Biodeutschen habe ich über 48 Jahre untersucht, ausgereizt wird es hier auf die Probe gestellt und an den Abgrund geführt 
-ich gehe die Mängelliste durch 
-denke an die Rezipientin dieses Bruchstückwerks in einer anderen Weise, als wenn ich mir einen ungegenderten Mann vorstelle, der mich hier wahrnimmt 
-ich habe keine Lust Alkohol zu trinken 
-bei Tieren auf Mängel hinzuweisen kommt mir affig vor 
-ich unterbreche für einige Zeit mein Protokoll, es ist 13 Uhr vier und höre etwas Jazz 
-Ungeschicklichkeit bei Tieren mag anziehend und belustigend sein. Schadenfreude ist ein hässlicher Wesenszug, ein Vorspiel der Eventgesellschaft, da fällt mir eine bestimmte Person hier ein, die sich rationalisierend entschämen mag 
-entwürdigende Schmach 
-„Alles, was Sie sagen, kann gegen Sie verwendet werden.“ 
-verlegen sind wir schön 
-C. schlug mir vor, anstatt von einem Hochhaus an der Leipziger Straße zu springen, einen Sprung in eine soziale Situation zu wagen, dieses erfordere mehr Mut, wie ich ihn verstanden habe – seit ich seine Notiz gelesen habe, bin ich im Begriff sie zu erproben 
-gestern war U. zum Spinatessen bei mir zu Besuch, ich akzeptiere seine Mängel und unterbreite sie ihm nicht, muss mich aber zügeln 
-bedenklich abwägen, Zweifel anmelden, beharrlich auf Besagtes festnageln, bis kurz vorm Tod sich das Lachen verkneifen -„ich stelle nur Tatsachen fest, und meine es nicht persönlich mit mir!“, „sagen die Biodeutschen!“ 
-mein ansonsten ausgeglichener deutscher Nachbar in der Wohnung über mir, hat gerade polternd einen schweren Gegenstand mehrmals auf seinen Boden laut geworfen; ich bin eben hoch zu ihm, habe bei ihm geklingelt und gefragt, ob alles in Ordnung sei. Er antwortete im Türrahmen stehend, nur mit T-Shirt und Unterhose bekleidet, dass er nur seine Wut herauslasse, und jetzt alles wieder Okay sei. Er schien mir geweint zu haben, hatte glasige Augen – er wiegelte verlegen ab, als ich einen Boxer parodierte und mich ihm als Widerpart zur Verfügung stellte 
-Herr S., mein sympathischer Nachbar hat nun bei mir gerade geklingelt, und ist auf seine Wut zurückgekommen, er sagte, er ginge jetzt raus, um zu Joggen, das sei besser, als repetitiv einen Holzklotz auf den Boden zu werfen 
-Versuch und Irrtum, learning by doing, kann man das so sehen, dass das Volk meiner Mutter sich im Dritten Reich erprobte, um sonach 1949 als ersten Artikel des Grundgesetzes die Unantastbarkeit der menschlichen Würde festzuschreiben? 
-bin ich im Begriff aus meiner Mängelliste zu lernen? 
-Emil M. Cioran spielte Zeit seines Lebens mit dem Gedanken des Suizids, verschob diesen immer wieder, um mit 84 Jahren eines natürlichen Todes zu sterben 
-ich stelle mich hier einer Dichteprüfung, untersuche ungeschminkt die Klopffestigkeit meiner Beschaffenheit, untergrabe jegliches Selbstverständnis und wäge Wichtiges, wie auch Nichtiges ab 
-ich habe bisher keine Menschin gefunden, die mich zähmen konnte, ich glaube eine Löwin könnte es. Ich habe auch schon vor über 15 Jahren im Stuttgarter Zoo angefragt, ob ich die Löwen füttern dürfte, ich wurde abgewiesen. Ich ekel mich vor kultivierten Menschen, die sich präsentieren wollen und etwas vorzuweisen haben, in Gesellschaft pflegt man einen synthetisch differenzierten Umgang, fragt höflich nach dem Befinden. Affen schminken sich nicht 
-„Man denkt, man beginnt zu denken, um Bindungen zu zerreißen, um Verwandtschaften aufzulösen, um das Gerüst des ‚Wirklichen‘ zu untergraben.“ (E. M. Cioran, Die verfehlte Schöpfung) 
-sprachlich drückt sich eine Gefühlsverstimmung aus, welche sich bemüht die Mängelliste gänzlich zu untergraben: zähe und träge in eine Senke befindliche Frustablagerungen transformiere ich in eine kompakte protokollarische Verschnürung 
-aus Stahlhelme Kochtöpfe machen 
-nichtsdestotrotz rieseln Antagonismen, Splitter, diverse Unformen und nicht dechiffrierbare Codes aus der Trauerkerbe 
-Bedeutung Katharsis aus Duden.de: 1.Läuterung der Seele von Leidenschaften als Wirkung des [antiken] Trauerspiels 2. das Sichbefreien von psychischen Konflikten und inneren Spannungen durch emotionales Abreagieren 
-futil kommt mir jetzt mein Vorhaben vor, ich spreche zu den Wänden, meine Einfälle gehen in eine absolute Leere; das sich verdichtet-windende-Ausdrücken, der nicht aufgelösten Spannungen ähnelt der Wirksamkeit eines Menschenopfers alter Kulte. Ich spreche zu den Wänden, gebe mein Leid einer Öffentlichkeit, mit der Gewissheit, dass mein Opfer nicht anerkannt wird, Kunst hat keinen Nutzen. Dem Leid Sinn zu verleihen halte ich C. vor, mein Dompteur 
-im Zimmerkasten, umgeben von vier Wänden, entäußert sich ein selbsterklärter Unterbemittelter in einer autolytischen Selbstkommunikation seit über fünf Stunden, ein modernes differenziertes Gebet, denke überflüssigerweise an Hingabe, an ein auf sich gepoltes Ritzen 
-grabe den Acker um, ein Journalist in mir hakt ständig nach, Alexander Kluge: Die Lücke, die der Teufel lässt. 
-gibt es überhaupt etwas zu erreichen, nachhaken: „…überhaupt…?“ 
-ich ordne mich ja selbst der Sprache unter und drücke mich aus, wie wenn ich Mitesser ausdrücke 
-„Halts´ Maul!“ 
-Leid schafft es nicht von alleine sich aufzulösen, das weiß ich, weil ich im Spätherbst 2008, der grundtiefen Überzeugung gewesen war das inkarnierte Böse zu sein, ich hatte die Gewissheit eines tiefen Gefühls von Negativität und Abfälligkeit, in diesem Zustand wollte ich nicht verharren, konnte mich aber nicht selbst töten, und bat den Schaffner – ich befand mich nachts in einem ICE auf der Fahrt von Hamburg nach Stuttgart - es für mich zu tun 
-Du (wer ist das wohl) erlaubst Dir eine ästhetische Distanznahme, welche Dir gestattet eine zeitgewinnende kontemplative Beurteilung zu fällen, die Kunst zu zögern, von den abspaltenden Tendenzen, meins und Deins, C. beruft sich auf die ursprüngliche Bedeutung von Gast: im althochdeutschen Fremdling 
-ein jüdisches Sprichwort besagt, dass Du die Sprache Deines Feindes kennen solltest, ich weiß nicht warum ich das hier schreibe, vielleicht sind die Rezipienten dieses Exorzismus´ meine Feinde 
-ich erinnere mich gerade an einen Ausspruch von Gilles Deleuze aus „Differenz und Wiederholung“, dass die Philosophie es grundlegend vernachlässigt hätte, den menschlichen Körper als die selbstverständlichste Differenz in Betracht zu ziehen, mein Hirn erbaut sich an Wortbrüche 
-es ist 17 Uhr und fünf Minuten, ich mache mich sogleich auf den Weg in mein weddinger Fitness-Center, um Sport zu treiben -18 Uhr 41, bin wieder auf Sendung mit geballter Unbarmherzigkeit, eine Jahre zurückliegende Erinnerung kommt gerade zum Vorschein: eine bildende Künstlerin aus Stuttgart, mir ist ihr Name entfallen, der ich in einer Kneipe oft begegnet bin, wir uns aber nie oder selten unterhalten haben, obwohl ich einst mit ihr ausgestellt habe, sie hat aus mir unerfindlichen Gründen einmal plötzlich das Wort ergriffen, und mir ehrlich gesagt, dass sie Angst vor mir hätte, dabei fühlte ich mich geborgen, eingemeindet und für eine sehr kurze Periode schien das Eis zwischen uns gebrochen zu sein. Ich mache den Menschen Angst, weil ich keine Angst mehr kenne – ein abartiges Kriterium, das mich aus einem friedfertigen Gefüge ausschließt. 
-ein Widerspruch zum gerade getätigten Eintrag drängt sich mir auf, weil ich C.s Rat in der Umkleide meines Fitness-Center befolgt habe, und meinen gewohnten Bruch zu den Mitmenschen gebrochen habe, als meine Aufmerksamkeit auf ein Notizbuch fiel, dass ein Sportler sich auf die Bank bereitlegte, eine Neugier in mir wollte sich über dessen Grund erkundigen, doch eine konventionelle Hemmung stellte sich mir in den Weg, daraufhin riskierte ich den von C. empfohlenen Sprung ins Soziale und fragte den jungen Mann mit dunkelblonden Bart, ob er Schriftsteller sei. Er lächelte weich und antwortete, dass seine Notizen nicht derart anspruchsvoll seien und er die Gewichtmaße und Anzahl der Übungen notiere, ich entgegnete aber, dass er Erbauliches festhalte, seine weiche Art erleichterte mich. 
-unabwendbar die Selbstanzeige des Bürgers mit Migrationshintergrund: mir liegt mein Zeugnis der fünften Gymnasialklasse vom 5.2.1983 vor, wonach ich vom Klassenlehrer Herrn Schallhorn im Fach Deutsch keine Benotung erhalten habe, unter Bemerkungen steht: „Deutschnote aufgrund mangelhafter Deutschkenntnis nicht erteilt.“ Ich erinnere mich, dass ich in Bretten, wo ich das Melanchthon Gymnasium besuchte, in einen Stützkurs Deutsch kam, wo ich besser abschnitt, als die anderen Teilnehmer. Meine Freude darüber wurde jedoch von Herrn Schallhorn kleingestanzt 
-im Gefüge der Mehrheitsgesellschaft ist das Ansehen derjenigen Person am größten, die sich demütig und verpflichtend sich ihrer Arbeit hingibt. Ein Mann ein Wort. 
-Schadenfreude, Verbitterung über ein Selbstverständnis eigener Selbstverpflichtung, penetrante Fehlersuche beim Nächsten, wie bei sich selbst, eine latente Unzufriedenheit und Neid befeuern eine Atmosphäre zwischenmenschlicher Effektivität auf Gesellschaftsebene, davon schließe ich mich aus, nutze aber den Service 
-als leckte ich mich mit meiner Spurensuche blank, um für Chronisten als Vorbild eines überzeichnet Integrierten zu stehen, eine schonungslose Bestandsaufnahme - ein perfider Selbsthass, der sich Besenrein offenbart und ohne Geheimnis oder Hintergedanken sich preisgibt 
-ich tue, was ich kann, halte mich am Mangel, der mir verlässlicher, als Nietzsches Übermensch ist, der sich auch einfach mal das Schuhbändele schnüren muss 
-den Druck aus der mir eingestandenen Monstrosität peu à peu entweichen lassen, ein reflexives Bruchstückwerk, weil ich mich auch mit den grauenvollen Unverantwortlichkeiten meiner Artgenossen identifiziere 
-es ist immer noch Sonntag halb neun am Abend, mich treibt Hunger zum Knabbern an den Datteln, die mir meine neun Jahre ältere Schwester aus Riad geschenkt hat, ich erinnere mich noch an die 80-er Jahre, als sie mit meiner Familie in Deutschland lebte und ich mich ungern mit ihr in der Öffentlichkeit sehen ließ, bei meiner Mutter war das anders, da meine Mutter kein Kopftuch anlegte 
-in Syrien war ich in meiner Kindheit auch ein Ausländer, Selektion bis nichts mehr übrig ist, durch die Bank ist mein Leben eine ständige Aussonderung, da sprießen mir hier, ohne große Verwunderung Flausen zwischen die Rillen, merkwürdige Aufpfropfungen kommen zu Wort, ein unentwegt sich in Entwicklung sich zeitigender Individualismus erklimmt uncodierte Bedeutungen 
-ich habe keinen Plan über mein nächstes Claim, sicher ist, dass es anders werden wird 
-die Erfahrungen meiner biographischen Katastrophen treiben Sprachdisteln 
-von der Unbarmherzigkeit der Natur, in der ich mich wieder erkenne 
-als Biest auf Abruf erinnere ich mich gerade sehr gerne an Angelika Zeller aus Tübingen, sie hat auf einen Mallappen das Gesicht von Ilse Koch gestickt, die auch als „Hexe von Buchenwald“ bekannt wurde, ich mag den Charakterlaut von Angelikas Lachens 
-meine Sprunghaftigkeit und Varianz, die mich naheliegenderweise von einer lauen Geselligkeit ausschließt (ich bin nicht vorzeigbar, auch nicht eitel), hat auch seinen Grund in einem mir widerfahrenen psychotischen Erlebnis aus dem Jahr 2002; dabei ließ ich mich gegen ärztlichen Rat aus der psychiatrischen Behandlung entlassen und hatte einen erneut sich einstellenden Zusammenbruch, wobei dabei bemerkenswert war, dass ich synchron mehrere bis sehr viele Gedanken über mehrere Stunden hatte, gewöhnlich hat ein Mensch ein Einfall und danach einen Nächsten. Geeicht durch diese Entrückung bilde ich für literarisch Gebildete nicht nachvollziehbare jedoch für mich plausible Verstrickungen undenkbar weit entfernter Anhaltspunkte 
-paranoid verbackene Analogien, Unterarten von Synchronizitäten, beziehe ich bei Dichteüberlastung determiniert auf mich, dabei drängt sich eine gefangen bedrohliche Lage auf: Die Identität eines Einfalls mittels Reflektion ist eine konstruierte Behauptung, aus dem nachdrücklichen Behelf, aus der Ungewissheit über die Wirklichkeit, ein Kompromiss, um die Kontingenz der Welt zu überspielen, ein Mann = ein Wort = Identität als Behauptung = mir sann mir, Deleuze hat das Hintergrundspiel, um ein Erkennen und Wissen, und das damit verbundene Analogietheater durchschaut, d. h., dass der Identitätssatz des Aristoteles eine gesetzte Behauptung ist, der fortwährend danach strebt sich zu beweisen, indem dieser Gewissheiten generiert (eine dauernde Selbsterfindung, ein fortwährender Verweis), ein tragischer Verlust, um das Wunder der Welt, getrieben von einer Gier nach Lebensgewissheit, Halt um jeden Preis 
-meine Haltlosigkeit mir und der Welt gegenüber lässt mich fortwährend stutzen, ich lebe zumeist vernünftig, aber auf einer emergenten Ebene lebe ich in einer verwunschenen Welt, ich liebe diese märchenartige unverbissene Kinderwelt, meine Mitwesen ähneln putzigen Einfällen, das niemand darauf kommt und entrückt diesem Schauspiel zulächelt, macht mich manchmal traurig, ich spiele alleine, weise meine Einfälle auf Spielplätze, atme still, eine unerwartete Ehrfurcht überkommt mich, lächle abgewandt meinem mich verstehenden Zwilling in die Zukunft zu. Ich muss dazu sagen, dass es sich um einen stabilen Erkenntniszustand handelt, vielleicht eine transrationale Übertölpelung des Intellekts, eine Folge von immensen Erfahrungen des Grauens, merkwürdigerweise bleibt diese Weltsicht unaufhaltsam spannend, am Kipppunkt, am Kontingenzbruch, erfahre ich eine hohe Dichte an Zufällen, die mich täglich verblüffen, ich bin Kunst, ein unberechenbares synthetisches Element das als blinder Passagier indifferent sich in der eigenen Glückseligkeit sonnt, nutzloser Hobbykünstler und Frührentner, gerne lass ich mit mir spielen 
-im Kindergarten in Aleppo, wo es oft nach Pisse roch, bin ich absichtlich sitzen geblieben 
-Spencer Brown: „Er kann nur etwas beobachten, was er mit sich verwechselt.“ 
-Der Wille zu verstehen, verbaut Dir durch ein strebendes Eingrenzen die undeterminierte Welt, die sich drum herum grenzenlos tummelt 
-vom Mangel bin ich ausgegangen, ein Fehlen an Fülle, von einer in sich gewendeten Verbiegung; ich erinnere mich gerade an einen unabsichtlichen Reiz einer humpelnden jungen Frau, der ich vor circa zwei Monaten vom türkischen Supermarkt gefolgt bin, ich sprach sie aber nicht an, ich mach nicht einfach, was ich spontan will, vor allem, wenn es Feuer fängt, da ist man als einer mit der Veranlagung einer sogenannten Schizophrenie vorsichtig und sublimiert lieber in irrationales Schaulaufen, Dressurreiten und Synchronschwimmen 
-meine Mängelliste unterschlägt ihren Hintergrund, bei dem wenigen, was ich habe, bleibt mir rein gar nichts, wenn ich es überdenke, ist alles weg, und es klärt sich das Vermögen der Aufmerksamkeit 
-es ist 22 Uhr 55, ich bin jetzt erschöpft, vielleicht fallen mir morgen weitere Fehler ein, die meine abwegige Liebenswürdigkeit unterstreichen 
-entgegen meiner Ankündigung fällt mir noch um 23 Uhr 44 folgende Nebensächlichkeit ein: ich lebe nicht ganz anders, als ich es hier niederschreibe, unbekümmert-gelassenes Flanieren entzieht sich einer Fixierung, lässt sich aber rosa färben 
-sich gegenseitig in einer Schwebe lassen, eine Luftasche zwischen uns, nicht aus Ermangelung Kunst machen,- oder vielleicht doch sich aus einer Unzufriedenheit aufraffen, in einem konzentrierten Plateau sich einfinden, von vorne ringsherum wieder anfangen, um in eine Indifferenz sich umzuhören oder so ähnlich 
-Aufgeschnapptes Zitat Raphaela Vogel: „Ich wache bellend auf.“ 
-Null Uhr und sechs Minuten, komme nicht runter vom Konzept meiner selbst einberufenen Mängelfahndung, zerstreuter Wille findet Anlass sich zügellos zu verzetteln, habe durch das heutige Schreibaufkommen meine Dopaminproduktion selbstinfektiös getriggert, wäge ab zehn Milligramm Olanzapin einzunehmen 
-Null Uhr 42, mit einem amorphen Mangelzustand fedelte ich mich in ein Konzept einer Aneinanderreihung von Eingeständnissen ein, nun fällt mir eine andere Sünde ein, nämlich die, dass ich des Öfteren Katzen gequält habe, ich fand dabei heraus, dass wenn ich einer Katze einen Strumpf über den Kopf bis zum Hals überziehe, diese sodann langsam Rückwärts ging, ich fand das äußerst belustigend, als versuchte dabei das Tier sich aus der Gefangenschaft nachvollziehbar nach Hinten zu befreien, sadistisch veranlagte Menschen sollen auch Bettnässer sein, das war ich nicht. Ich berichte, von meinen Fehlern auf schonungslose Art, wie ich es mir auferlegt habe,- zum Teil eine Abarbeitung von widerhakenden Verhakelungen 
-der scheinbare Mangel an Gewissheit, die Unbestimmbarkeit des Lebens, drängt viele meiner Artgenossen in eine geregelte Lebenspraxis, schade, dass wir nicht miteinander spielen und die happy-birthday Melodie dem U-Bahn Fahrer ins Ohr summen -ich erinnere mich gerade an eine Begegnung mit einem Mann, als ich auf dem Rückweg vom Sport mich befand, der sich mir annäherte und mich mit den Worten anschrie: „Hilf mir!“, reflexartig wich ich ihm aus, weil ich eine unberechenbare Übergriffigkeit darin bemerkte, später bedauerte ich meine Abweisung 
-meine Gleichgültigkeit gibt sich mir als Toleranz aus 
-habe letztens U. gefragt, ob ihm auch, wie mir unvorhergesehen abwegig-verbrecherische Gedanken kommen, er bejahte; ein Ausagieren antisozialer Bestrebungen auf synthetischer Basis finde ich eine feine Sache - meine mittlerweile gebrechliche und alte französisch Lehrerin (spitz stolz auf ihre beflissen kulturelle Bildung) hat mir zu Weihnachten 2019 eine für mich aufdringliche Anmerkung geschrieben: „Gerne denke ich an Dich? Ob Du mich noch mal besuchst? Ich verlasse das Haus kaum mehr.“ Hiermit stelle ich bei mir einen Mangel an Mitgefühl fest, kann sein, weil sich dieser zurückzieht, sobald er direkt angesprochen wird. Ich empfinde es nicht als verachtend, von dieser Mitteilung unberührt zu sein, aber wäge ich es ab und stelle die Dynamik einer Rückkopplung in den Raum (Schlafen) 
-acht Uhr und 54 Minuten, peile meinen hypothetischen Zielpunkt an, mit einer staatlich anerkannten 80 prozentigen Schwerbehinderung habe ich mich artistisch selbst federleicht aufs Glatteis zu begeben, um in den Fokus der Aufmerksamkeit zu gelangen, in Anbetracht meines implizierten kognitiven Vogels halte ich mich für speziell zuständig auf dem Gebiet irriger Abweichungen, ähnlich wie „der ohne Arme geborene Carl Herrmann Unthan, der mit seinen Füßen eine erstaunliche Geschicklichkeit entwickelte: In seiner Familie umsorgt, konnte er, nicht zuletzt durch die Bemühungen seines Vaters, der Lehrer war, mit zwei Jahren selbst essen und mit zehn Jahren brachte er sich selbst das Geigenspiel auf einer auf einem Stuhl liegenden Violine bei. Im Alter von 16 Jahren besuchte er ein Konservatorium, das er das Jahr darauf abschloss. Das ständige Training der Geschicklichkeit seiner Füße (sowie auch seiner Bein- und Hüftgelenke) führte bereits in seinem Jugendalter dazu, dass Carl Herrmann Unthan ein nahezu völlig eigenständiges Leben führen konnte: Er konnte sich nicht nur selbstständig aus- und anziehen, sich selbst rasieren oder Krawatten binden, mit Hilfe seiner Füße schrieb er außerdem entweder in klarer Schrift oder auf der Schreibmaschine Briefe und Texte.“ (Quelle Wickipedia) 
-zehn Uhr 54, habe auf dem Weg zum Supermarkt einen runden neongelben Chip gefunden, auf dessen Umrandung gedruckt steht: Nicht zurückzahlbar, und auf der anderen Seite: M. Kramer u. Sohn, Checkpoint Fun. Es könnte sich um einen Fahr-Chip für Autoscooter handeln, es findet sich immer etwas, ich muss gar nicht erst suchen 
-eine perfide Suche nach Fehlern hat etwas verbohrt fixiertes, als steckte hinter einem Abbild eine profunde Gewissheit und Wirklichkeit 
-irren ist menschlich und es sich einzugestehen ist eine Charakterstärke 
-menschliche Glanzleistungen werden von vielen bewundert und nachgeahmt, derartige Menschen gelten im herkömmlichen Sinne als Begehrenswert, dabei unterliegen die beteiligten Akteure einem evolutionären Mechanismus: "Survival of the fittest" -ich bin kein Verführer und scheitere immer besser im Umgang mit meinen Mitmenschen, mir mangelt es - hat mir eine Hexe im vergangenen Herbst bescheinigt, an Glauben. Ich habe von einer medizinischen Studie erfahren, wonach man autistisch veranlagten Menschen, die keinen vertrauensvollen Umgang mit Anderen pflegen können, das sogenannte Kuschelhormon „Oxytocin“ verabreicht hat, unter dieser Wirkung, zeigte sich eine höhergradige Zuneigung zu Menschen, nur weiß ich nicht, wie man Zuneigung und Vertrauensbindung messen kann 
-zwölf Uhr 19, mir fällt ein Ausspruch von Paul Celan ein, wo er sich über die Art des Umgangs in der Psychiatrie äußert, dass man dort zerheilt werden würde. Neben der physischen Fixierung, die mir 2002 aus mir ersichtlichen Gründen widerfahren ist, wurde mir die begriffliche Fixierung, die mir in meiner jahrzehntelangen Krankengeschichte teilhaftig wurde zur Belastung, meinem Geist wurden Strukturen eingestanzt 
-es ist nicht auszuschließen, dass mein Detektor zur Feinjustierung eine übergreifende Gesamtschau verhindert, Folgen: Selbstzersetzung und stilistische Fragmentierung. Die zuckenden Individuen ahnen einander 
-13 Uhr 21, komme gerade von Draußen, und fand es zum wiederholten Male merkwürdig, dass es noch andere Menschen gibt, vielleicht schätze ich sie in angemessener Würde ein, wenn ich ihnen Geheimnisse unterstelle, sie nicht verbacken in Strukturen sehe -„Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und das Gute schafft.“ Johann Wolfgang von Goethe 
-15 Uhr 48, nach Mittagsschlaf frustriert erwacht, habe mich selbst in eine Schmuddelecke verkrochen, Negativität befeuerte sich selbst kreisend, Gedankenstopp eingeleitet, höre Free Jazz und trinke alkoholfreies Bier, denke an den gemeinsamen gestrigen Stich Frohsinn mit der Kellnerin zurück, vielleicht sollte ich weniger zweifeln und mehr an leere Versprechen glauben, meine Mundwinkel hängen dementsprechend eindeutig 
-Punkt 16 Uhr, denke an eine mögliche Zeitungsschlagzeile von Morgen, die ungefähr so lauten könnte: „Irrer ermordete ein zufälliges Opfer!“, und als Bemerkung: „Er wollte die Erfahrung dieses Verbrechens an sich erproben, um uns darüber in Kenntnis zu setzen.“ 
-Gegen 17 Uhr, setze meine aufgesetzte Beichte um, enthäute mich sprachlich, denn Herr!, ich habe wieder gesündigt, ich war im Bio Supermarkt in der Müllerstraße, wollte meine Gesichtshaut mit einer Probe der teuren Tagesmilch von Dr. Hauschka eincremen, was ich auch gleich tat, bin ich sodann - neugierig über das uns bescherte Sortiment - an einem Glas mit 100 g in Olivenöl eingelegter Sardellen stehen geblieben bin, um festzustellen, dass diese fünf Euro 99 kosten, unmittelbar dachte ich dieses kleine Glas doch einfach einzustecken. Fahrradfahrend zurück entdeckte ich eine große Plakat Werbung an der Bahnüberführung für eine Paarvermittlungsagentur (Paarship), letztes Jahr zum Jahreswechsel die gleiche Prozedur, für wie durchschaubar und mustergültig das psychologische Massenverhalten gehalten wird. Schaue ich mir die jungen und äußerlich gesundaussehenden weiblichen Modells an, merke ich intuitiv ein Scheitern der Schönheit, das liegt daran, dass diese Offensive alles auf eine Karte setzt und ohne Scham frontal übergriffig im Wedding, im Exil Deutschlands platziert wird – eine bittere Erotik liegt in der Luft 
-kurz vor 18 Uhr, Tötungslust kommt zur Sprache, Grollknolle platzt aus allen Nähten, neigt zur Übertragung, …, auch flüchtig -ich rauche wieder Zigaretten, und ich habe heute einen Online Artikel auf NZZ gelesen, dass die fünf Jahre Überlebensrate für Lungenkrebs nur bei 15% liegt 
-ein zu Wort meldender Informationsmangel stellt sich ein, ich folge diesem Schwund und erinnere mich an folgendes wichtige Buch, aus dem ich einen Auszug hier übertrage: Gilles Deleuze, Nietzsche und die Philosophie, Seite 123, 2. Das Prinzip des Ressentiment: Das reaktive Unbewußte wird durch Gedächtnisspuren, durch dauerhafte Eindrücke gekennzeichnet. Es ist ein vegetatives, wiederkäuendes Verdauungssystem, das „ein passives Nicht-wieder-los-werden-Können des einmal eingeritzten Eindrucks“ zum Ausdruck bringt. Und ganz sicher führen die reaktiven Kräfte selbst während dieser endlosen Verdauung die ihnen übertragenen Aufgaben aus: sich im unauslöschlichen Eindruck festzuhaken, die Spur zu besetzen. Aber wer vermag nicht die Unzulänglichkeit dieser ersten Sorte reaktiver Kräfte zu bemerken? (…) Nietzsche definiert dies Vermögen(das Vergessen): „Vergesslichkeit ist keine bloße vis inertiae (Beharrungsvermögen), wie die Oberflächlichen glauben, sie ist vielmehr ein aktives, im strengstens Sinne positives Hemmungsvermögen“, „Hemmungsapparat“, „plastische, nachbildende, ausheilende…Kraft“ (…) womit sofort abzusehen ist, inwiefern es kein Glück, keine Heiterkeit, keine Hoffnung, keinen Stolz, keine Gegenwart geben könnte ohne Vergesslichkeit“. „Der Mensch, bei dem dieser Hemmungsapparat beschädigt wird und aussetzt, ist einem Dyspeptiker zu vergleichen(…) – er wird mit nichts ´fertig`…“. -20 Uhr 15 
-was war die Frage? 
-21 Uhr und fünf Minuten 
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