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Kipppunkt  

Hussam Naggar © Berlin, Juni/Juli 2019        

(Wikipedia: Tipping-Point: Ein Punkt oder Moment, an dem eine vorher geradlinige und eindeutige Entwicklung durch bestimmte Rückkopplungen abrupt abbricht, die Richtung wechselt oder stark beschleunigt wird.)  

Eine Staffel an internen Funkenmariechen hält mich vorzüglich am Laufenden.  

Meine Neigung zur Dopaminüberproduktion verursacht multiple-verzweigte Denknoten.  

Greta Thunbergs Fühler.  

Ich genieße eine spezielle Immunität.  

Unabweisbar und selbst abwägend die mit Auflagerungen von Bedeutungen behafteten Impulse.  

Gewisse Solidargemeinschaften gewähren in zu nachweisenden Fällen Krankheitsgewinn in Form einer dauerhaften Grundversorgung; diese Freigabe eröffnet mir artistisch synthetische Möglichkeiten, die zu einem gelungenen und freudvollen Leben beitragen.  

Die intuitive Erfahrung der Natur meines Geistes ist spontan selbstauflösend.  

Zustände im Wahrscheinlichen in fortwährender Anbahnung.  

Ein kryptischer Loop in Dauerbereitschaft.  

Ungewissheit ist für mich das Gewöhnliche, wohingegen, wie ich schließe, die Mehrheit der mich umgebenden Mitwesen Ungewissheit als Ausnahme sieht, als ein vereinzelt hereinbrechendes Ereignis, das ihren Alltag erschüttert, Hilfe erfordert, einen Notfall auslöst oder einen Versicherungsfall in Gang setzt.  

Zusammenhangsbehauptungen sind wage Angelegenheiten, vermeintlich haltgebende Hoffnungsschimmer.  

Menschen nicken solidarisch einander zu, stoßen auf die Gesundheit an.  

Verstand gleicht sich am Verstand Mitgebunder an und erntet Verständnis.  

Sediert lässt man sich im Gemeinten nieder.  

Sie locken und zähmen einander unmerklich und partnerschaftlich.  

Individuen sind von Zusammenrottungen nicht ausgenommen.  

Randständige bestätigen einander ihre differenzierte Einzigartigkeit, indem sie aneinander vorbeireden.  

In gegenseitig erlesener Manier nimmt man Kenntnis von einander.  

Vorsichtshalber kennt man sich doch nicht.  

Unvertraute und befreiende Abgründe werden aus Ängstlichkeit nicht eingegangen und verwirklicht, sondern auf das Ende einer langen Bank geschoben, oder auf eine Versicherungspolice übertragen und lebenslänglich abgestottert.  

In Erwartung einer Katastrophe ein Leben am seidenen Faden.  

Belebte Narrative.  

Cocktailschirmchen.  

Mein synthetisches Oberhemd ist immer wie neu entdeckt, ein Jamais-vu, das mich verwundert und grell zurücklässt, und dem ich selbst, wie meine Artgenossen im Menschenpark mit Unverständnis begegne.  

„Der Junge steht immer neben der Kappe!“  

Im Gewahren meines inneren Diskurses stelle ich die Hypothese auf, eine Unterscheidung zwischen Gedankeninhalt und der mit ihm verquickten Materie treffen zu können.  

Ein ängstlicher Nachttraum vom Ausfallen vieler Zähne und das Ausspucken von Gedankenhülsen.  

Goethes Gesamtwerk zwischen den verstellbaren Backen eines Schraubstocks eingespannt.*  

Mit sprachlichen Mitteln eine summarische Ahnung beschreiben, die sich auf Denkstrukturen im selbstexplorativen Sinne bezieht und erlaubt sich davon zu befreien.  

Verdreht codiert. Verliebt verlegen. Unkenntliche Bekanntschaften.  

Aufn´ Punkt kommen und einem blinden Drang genügen.  

Eine endlos wandelnde Nachtschwester empfiehlt Sätze nicht zu beenden.  

Schwärzen.  

Ich verdrehe den Kopf, weil es keine Himmelsrichtung gibt, flaniere des Öfteren ziellos durch die Umgebung und begegne dekorativen Bürgern, denen ich ein grundloses Lächeln offeriere: „Komm und spiel mit mir. Wir haben immer Ferien.“  

Als gingen alle für eine Verstaatlichung der Gefühle auf die Straße.  

Décors de la vie. Meine Anwesenheit im urbanen Raum ist eine offensichtliche Annonce für seltene Ulknudeln.  

Wer weiß denn, woran er ist?  

Frau M. ist eine Kassiererin mit hellhäutigem Teint bei meinem Aldi um die Ecke, die mich an Schneewitschen erinnert, sie trägt tiefschwarzes langes, glänzendes Haar und mag es sich hübsch zu geben. Ich glaube, ihr gefällt es zu gefallen und genügt sich derart lächelnd selbst.  

Ich mag ihre stimmige Selbstbezüglichkeit.  

Meine Beziehung zur deutsch-japanischen Assistenzärztin habe ich gerne verjubelt.  

Ich lese beiläufig, dass in Osmanien ein Witwer mit Springrock einem Brunnen entstiegen ist.  

Wenn eine Person im Transit eine Flaute erlebt, wird sie von Mitarbeitern einer Gefühlsagentur zurechtgestreichelt.  

Ansonsten fällt meine aristokratische Attitude nicht weiter auf.  

Streusel. Auslassungspunkte.  

Tortenguss, Eierlikör, Mutterkuchen.  

Gleichgeschlechtliche Segnungen werden in Betracht gezogen.  

In Hausbooten auf der Havel wird drastisch gebumst.  

Ein Syrer taucht unter.  

Weit und breit nichts von Heilig.  

Von Mal zu Mal blendend verwunschen.  

Plötzlich ruft mich ein alter Freund an.  

Selbstgenerierende Altlasten in Denkung.  

Elegant und nie sich verlegen zeigende Leute von heute unterhalten sich auf einer Vernissage über Greta Thunbergs milden Autismus.  

Eine künstlerische Präsentation unterstreicht beiläufig die Singularität einer speziellen Ansicht.  

„Just do it!“  

Reset.  

Die Spule kennt weder Anfang noch Ende.  

Bereitwillig überlässt man sich einer symbolischen Infektion – ein unterhaltsames Spiel.  

Dauerhaft versuchen einer Ergriffenheit Herr zu werden.  

Das ungewiss Bevorstehende gehört immer wieder unter Dach und Fach – diffuse Ahnungen sistieren.  

Sperrig.  

Ein Smalltalk nivelliert Zweifel. Ein Echo auf Verlautbarungen stillt.   

Das Nullsummenspiel versteht es immer wieder zu verblüffen.  

Nicht wenige verzweifeln,…, erreichen den Tipping-Point und begehen Suizid.  

„Komm und spiel mit mir.“  

Hinter Glas zu beobachten: abgerichtete Angestellte nach Ladenschluss im leicht abgedunkelten Aldi. Wie von alleine in Umlauf eine Nachläufer-Scheuersaugmaschine, die in gleitender Weise den Boden reinigt.  

Vorsicht! Sich beobachtet Fühlende oder Wissende, lässt sie ihre Verwundbarkeit spüren und kann spontan-aggressive Reaktionen hervorrufen.  

Scham im Spiel.  

Breaking News: Schon seit Tagen eine verschollene Flaneuse. Ohne, dass es ihre Absicht war, hat sie eine Fährte hinterlassen.

Witterung.  

Ich verstehe immer weniger, folge meinen Instinkten, schaue ohne Absicht nachts aus meinem Fenster im dritten Stock auf den Innenhof, sichte einen abgemagerten und zotteligen Fuchs mit einer toten Ratte im Maul.  

Ich verstehe es nicht – es versteht sich von selbst.  

Bin aus biologisch abbaubarer Materie, dem entsprechend treibe ich täglich mindestens 70 Minuten Sport, das entspricht dem gegenwärtigen Leistungsspektrum meines Körpers und schöpft seinen Freiheitsgrad aus.  

Von ungefähr kommt mir eine Tierfrau in den Sinn.  

Ich bleibe unter meinen Vorstellungen und gehe erleichtert leer aus.  

Man gönnt sich ja sonst nichts.  

Dr. med. Z., ein nun berenteter Psychiater aus der Gegend um Stuttgart, gestand meiner Mutter, dass er kürzlich seine Liebespartnerin verlassen hat. Sie lag ihm, wie mir berichtet wurde, nur noch auf der Tasche. Vielleicht wurden seine Ideale nicht mehr unterhalten.  

Oxytocin, das sogenannte Kuschelhormon kann vertrauensselig machen, man suspendiert sich offenherzig an Gefühle und vernimmt sich selbst authentisch. Seelenanalogie Hand in Hand. Die Decke für Zwei lässt Füße hervorschauen, und sie füßeln miteinander in einem Taumel, bereitwillig einem undurchschaubarem Kalkül zu unterliegen. Eine romantische Selbstvertauschung, plausibel weil unmittelbar erfüllend.  

In Nebensätzen tauchen Kleiderständer auf.  

Jacques Lacan schrieb, dass Schizophrene Märtyrer ihres Unbewussten seien.  

Unauffällig folge ich mit synthetisch getunter Stimmung einen in pastellfarben gekleideten Herrn.  

Verdächtigungen liegen in der Luft.  

Auf Kopfsteinpflaster zieht er einen Aluminiumrollkoffer hinter sich her.  

Umtriebe.  

Angela Merkel zittert wieder.  

Anliegen kommen in den Focus.  

Gedankliche Surrogate, illusionäre Ich-Vorstellungen als Metamorphosen für Neuzulassungen.  

Stillschweigendes Übereinkommen: Leid gilt es zu zergliedern und in Zeichenfolgen umzuwerten.  

Innerbetriebliches Manifest: „Bilde Dich selbstreferenziell weiter. Mustere unvoreingenommen und ohne viel Aufhebens aus, picke dir Vereinzelungen heraus. Erkenne Trägheiten und leiste ihnen Widerstand, löse Dich von mangelhaften Denkgewohnheiten.

Lerne aus Haltungsfehlern von Schaufensterpuppen.  

Während ich auf einem Crosstrainer übe sehe ich durch die Fensterfront meines Fitnesscenters das weit ausladende Gerichtsgebäude am Brunnenplatz.  

Ein ausgefeiltes und skurriles Verbrechen lässt nichts zu wünschen übrig.  

Beamte in allen Instanzen zucken hilflos die Achseln, wenn man sie fragt, was denn nun für diesen Fall an Gesetzen gilt oder nicht.  

Aufschlüsse durch fiktionale Inbezugnahme.  

Crashtests, Gedankenexperimente und Spekulationen suggerieren mit Erfolg einen Halt. Ungewissheit mittels Verstand abgehakt.

Nach Einsicht in die schnittige Personalakte von Frau Dr. med. Skusa, verortete ich sie mit neonorangenen Ölhandschuhen bekleidet auf eine Ölbohrinsel in der Nordsee.  

Für heute habe ich meine Checkliste durch. Beim Einschlafen dem Atem folgen, eine leere Weite mit vereinzelten und unzusammenhängenden Einfällen tut sich auf, der eigene Körper wird aufmerksam wahrgenommen.  

Beherzt in schwarze Tinte tauchen.  

Am Morgen steigen rasant und unwillkürlich Erinnerungsfragmente von Alpträumen auf.  

Anderweitige Informationen tauchen unter.  

Ich weiß nicht mehr, wo ich das Wort Schlüssel verlegt habe.  

Unterschwellig verschwommenes fällt schräg ein.  

Am 9.6.2019 sei die Hündin Erna entlaufen, lese ich auf einem Zettel mit zwei Farbfotos, befestigt an einer Straßenlaterne nähe S-Bahnhof Wedding. Und weiter steht geschrieben: „Bitte keine Fangversuche. Keine Verfolgungen. Nicht ansprechen. Sonst wird sie panisch und bringt sich in Gefahr. Bei Sichtung bitte nur Anrufen.“  

In den letzten Tagen vermehrtes Aufkommen an deutsch Sprechenden Menschen bei Aldi.  

Frau M. mit einer Stoffblume in hellem Purpur im Haar.  




*Goethes Werk zwischen einem Schraubstock als Skulptur in einer Vitrine in der Stadtbibliothek Ludwigsburg von Harry Walter
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